Die Geschichte MˇZzhofens

 

Die Gemeindechronik, verfasst von Prof. Franz F. Seidl und Heinz Edlinger, bietet allen Interessierten Einblicke in die Gesellschafts-, Kultur- und Lebensbereiche vergangener Tage und ermöglicht so ein besseres  Verständnis für die Zeitgeschichte und die historischen Ereignisse in unserem Dorf. Die Chronik ist auf dem Gemeindeamt zum Preis von ? 35,-- erhältlich.


Das Gebiet von Mürzhofen war bereits vor etwa 3000 - 4000 Jahren bewohnt. Das bezeugen Funde aus der nahen Ofenberg-Höhle bei St. Lorenzen.
Die erste urkundliche Nennung erfolgte zwar erst um ca. 1140 mit dem Namen "Muerzehoven", jedoch muss angenommen werden, dass eine Besiedlung des Gemeindegebietes schon weit früher erfolgte. Waren es im 6. Jahrhundert die Süd-Slawen, die sich im Mürztal niederließen, so kamen mit der Ausdehnung des Frankenreiches durch Karl den Großen im 8. Jahrhundert bajuwarische Siedler in unseren Raum. Es ist anzunehmen, dass in dieser Zeit um 800 n. Chr. die Entstehung von Mürzzhofen fällt. In der Karolinger- und Ottonenzeit wurde Mürzhofen ein königlicher Wirtschaftshof. Dieser ist im Zusammenhang mit dem damaligen kirchlichen Zentrum "Muorze" in St. Lorenzen zu sehen, womit man auch schon näher an die Entstehung des Namens herangerückt ist.
Die Zusammenfühung von "Muorze" mit dem königlichen Wirtschaftshof haben den Namen "Muerzehoven" ergeben. 1160 wurde ein Konrad von der Mürz erwähnt, der sich ab 1172 Edler von Kindberg nannte. Mit diesem Zeitpunkt wandten sich auch die Interessen der Pfarre Mürzhofen dem neu angelegten Markt Kindberg zu.

Im Jahre 1751 wurde in Mürzhofen die Poststation auf der Postroute Villach - Klagenfurt - Leoben - Wien errichtet, die zu dieser Zeit für die gesamte Region enorme Bedeutung hatte. Sie verlor erst im Jahre 1844 mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Graz - Mürzzuschlag seine verkehrtechnische Bedeutung. 1852 wurde die Poststation dann aufgelöst.

Am 17.3.1849 wurden Gemeindegesetze eingeführt, die zur Bildung freier Gemeinden führten und die herrschaftliche Robot und der Zehent wurden abgeschafft. Auch in Mürzhofen kam es zur Bildung der Gemeinde mit dem gleichnamigen Gemeindekatastralbesitz. Als erster Bürgermeister von Mürzhofen scheint der damalige Gemeindevorsteher Simon Schönegger auf. Zu dieser Zeit gab es in Mürzhofen "261 Seelen in 45 Wohngebäuden". Im Jahre 1880 ergab die Volkszählung in Mürzhofen bereits 540 Personen. Im Jahre 1991 ergab sie unter dem 12. Bürgermeister Karl Pfeffer bereits 881 Einwohner auf einem Gemeindegebiet von 1,91 km2. 2006 übernahm Franz Harrer das Amt des Bürgermeisters des zwischenzeitlich 1017 Einwohner zählenden Ortes. Derzeit sind 967 Bürger in Mürzhofen mit Hauptwohnsitz gemeldet.

  

Mit 12. September 2005 wurde der Gemeinde Mürzhofen ein eigenes Gemeindewappen verliehen, welches am 13.5.2006 von Landeshauptmann Mag. Franz Voves feierlich übergeben wurde.

 

Das Wappen geht vom mitteralterlichen Taufstein in der dem heiligen Johannes dem Täufer geweihten Kirche von Mürzhofen aus. Der darauf angebrachte Fries mit einer Kleeblattkrone, genau genommen ein Viertel davon, ist im Schild silbern wiedergegeben. Er ragt auf beiden Seiten in den Schildrand - einerseits, um die Farben Rot und Schwarz voneinander zu trennen, so wie es die heraldischen Regeln vorschreiben, andererseits, um den tatsächlichen Gegebenheiten an der Darstellung am Taufstein zu entsprechen. Das Rot im Schildhaupt steht für das diesseitige Leben überhaupt, aber auch die Enthauptung und Blutzeugentum des Heiligen. In der römisch-katholischen Liturgie steht die aus einem Blätterkranz hervorgegangene Krone für Christus, den König der Könige, als Krone der Apostel, Märtyrer, bekenner und Jungfrauen. Der dreiblättrige Klee überdies gilt dem Christentum als Symbol der allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Der Schildfuß hingegen ist in Schwarz gehalten, der Farbe der Demut und der Vergänglichkeit, wofür zwei Gründe maßgeblich sind. Zum einen ergibt sich gemeinsam mit dem Silber der Krone ein Bezug zu den Herren von Stubenberg als größten Grundherren im Gemeindegebiet und Inhabern des Hofes zu Mürzhofen. Ihre Wappenfarben waren Silber-Schwarz. Durch den wellenförmigen vom Schwarz zur silbernen Krone hin entsteht ein Sinnbild für die Mürz. "Mürz" ist ja die Verkleinerungsform für "Mur", und der Name des Hauptflusses der Steiermark wird als "die Dunkle" gedeutet.

Das Wappenschild erhält damit Sinnbilder für die topografischen Gegebenheiten Mürzhofens (Lage an der Mürz), die grundherrschaftlichen Verhältnisse vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung nach 1848 (Wappenfarben der Stubenberger) sowie für die Kirche zum heiligen Johann Baptist. Dennoch wirkt das Wappen schlich, keineswegs überladen, und ist leicht merkbar - beides grundlegende Forderungen der traditionsreichen Heraldik.

Dr. Gernot Peter Obersteiner