Das Mürzhofner Gemeindewappen
Das Wappen geht vom mitteralterlichen Taufstein in der dem heiligen Johannes dem Täufer geweihten Kirche von Mürzhofen aus. Der darauf angebrachte Fries mit einer Kleeblattkrone, genau genommen ein Viertel davon, ist im Schild silbern wiedergegeben. Er ragt auf beiden Seiten in den Schildrand - einerseits, um die Farben Rot und Schwarz voneinander zu trennen, so wie es die heraldischen Regeln vorschreiben, andererseits, um den tatsächlichen Gegebenheiten an der Darstellung am Taufstein zu entsprechen. Das Rot im Schildhaupt steht für das diesseitige Leben überhaupt, aber auch die Enthauptung und Blutzeugentum des Heiligen. In der römisch-katholischen Liturgie steht die aus einem Blätterkranz hervorgegangene Krone für Christus, den König der Könige, als Krone der Apostel, Märtyrer, bekenner und Jungfrauen. Der dreiblättrige Klee überdies gilt dem Christentum als Symbol der allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Der Schildfuß hingegen ist in Schwarz gehalten, der Farbe der Demut und der Vergänglichkeit, wofür zwei Gründe maßgeblich sind. Zum einen ergibt sich gemeinsam mit dem Silber der Krone ein Bezug zu den Herren von Stubenberg als größten Grundherren im Gemeindegebiet und Inhabern des Hofes zu Mürzhofen. Ihre Wappenfarben waren Silber-Schwarz. Durch den wellenförmigen vom Schwarz zur silbernen Krone hin entsteht ein Sinnbild für die Mürz. "Mürz" ist ja die Verkleinerungsform für "Mur", und der Name des Hauptflusses der Steiermark wird als "die Dunkle" gedeutet.
Das Wappenschild erhält damit Sinnbilder für die topografischen Gegebenheiten Mürzhofens (Lage an der Mürz), die grundherrschaftlichen Verhältnisse vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung nach 1848 (Wappenfarben der Stubenberger) sowie für die Kirche zum heiligen Johann Baptist. Dennoch wirkt das Wappen schlich, keineswegs überladen, und ist leicht merkbar - beides grundlegende Forderungen der traditionsreichen Heraldik.
Dr. Gernot Peter Obersteiner